Veröffentlicht am 11.10.2026 von Aman Born
Wir beginnen diesen Artikel mal mit ein paar Zahlen: 6, 2, 1, 7, 2796. Vermutlich werden viele von euch auf den ersten Blick nicht so ganz wissen, was sich dahinter verbirgt.
Um es mal vorwegzunehmen: wir wissen zwar, was die Zahlen bedeuten, aber was sich so wirklich dahinter verbirgt, wussten wir bis zum 22.06.2026 auch nicht…
6 Piloten, 2 DG1000en, 1 Anhänger, 7 Wendepunkte, Aufgabe von 2796km.
Ende Juni war es so weit. Eine kleine Gruppe bestehend aus Mimimi, Gucci und Aman von der FVA, sowie Mikail „Faktor“ Albayrak, Pia „Teenie“ Wildhagen und Olivia „Helene“ Stark aus Karlsruhe und München, fand sich in Venlo zusammen, um mal etwas Neues im Segelflug zu erleben: Die Euroglide – ein Wandersegelflug. Die Herausforderung war in diesem Fall die 1. Wir hatten nur ein Auto mit einem Anhänger, in den theoretisch beide DG1000en, natürlich nicht gleichzeitig, hineinpassen.
Los ging es in Venlo mit einem Eröffnungsbriefing der Euroglide und einem Grillen, bei dem wir die anderen Teilnehmer kennenlernen und ein paar Strategien austauschen konnten. Auch ging es zum Ende des Abends hin an die Planung des ersten Flugtages.
Der erste Wendepunkt sollte die Dahlemer Binz sein. Die Planung bestand immer aus der zu fliegenden Richtung, Wetter, Lufträumen und NOTAMs, ein Tagesziel und welche Tagesziele überhaupt Startmöglichkeiten für den Folgetag anbieten. Auch ist hierbei wichtig zu wissen, dass das Regelwerk der Euroglide nur ein gewisses Kontingent an Kilometern vorsieht, das man im F-Schlepp oder per Straße zurücklegen darf. Das bedeutet also, dass einen etwaige Überführungsschlepps oder -fahrten immer Stückchen für Stückchen näher an eine Disqualifizierung bringen.
Am nächsten Morgen wollten wir nach einem guten Frühstück die Flugzeuge abflugbereit machen, die wir am Abend vorher bereits aufgerüstet hatten. Jedoch bemerkten wir, dass unser Flugzeug weg war. Es stand nicht mehr dort, wo wir es abgestellt hatten. Alle waren etwas verwirrt. Nach längerer, erfolgloser Suche haben wir einen Gridhelfer gefragt, wo die NT denn sei. Dieser meinte, sie hätten den aus unerklärlichen Gründen weggeschleppt und an den Anfang der Reihe gestellt. Glück gehabt! Irgendwann begann der Aufbau des Startfeldes („Grid“). Nach langem Warten auf gutes Wetter starteten zunächst die Eigenstarter, gefolgt von den Klapptriebwerklern und schließlich den Segelflugzeugen.

Für uns ging es hinter einer Aviat Husky mit nur sehr wenig Steigleistung in den Venloer Himmel. Wolken? Ein paar wenige. So blieb es dann auch für den Rest des Fluges. Irgendwann war es spät und durch einen zweiten Startversuch für die KJ war klar, dass der Einstieg in die Eifel nicht mehr für beide Flugzeuge denkbar war. So landeten wir in Aachen, wo sich die 2D, der Arcus der Akaflieg Darmstadt, zu uns gesellte. Wir grillten und übernachteten an unserer Werkstatt. Von dort ging es dann am nächsten Morgen per Überführungs-F-Schlepp nach Wershofen für beide Flugzeuge, weil wir uns dort besseres Wetter erhofften. Wir machten jeweils einen unangenehm schwachen Schlepp hinter der Super Dimona, landeten allerdings wieder nach einer Dreiviertelstunde in Wershofen. Wir entschieden uns, am nächsten Tag im Windenstart ins hoffentlich Wetter zu starten. Nach einem Abend am Badesee und einem guten selbstgekochten Abendessen ging der Tag dann zu Ende. Der nächste Tag war der erste Tag mit ein paar brauchbaren, aber nur sehr wenigen, kurzlebigen Wolken. Gucci und Aman starteten gegen Mittag und machten sich auf den Weg zur Wende – ein Katzensprung zur Binz. Nachdem diese umrundet wurde, flogen wir ab. Ziel war Useldange in Luxemburg. Der Tag war stellenweise anspruchsvoll, aber dennoch sehr lehrreich. Nach der Landung in Useldange wurden wir nett von den Einheimischen begrüßt – sogar einen Hallenplatz gab es für die KJ. Zum Duschen sind wir ins Schwimmbad gefahren, in dem auch die Wasserrutschen sehr intensiv getestet wurden. Es wird auch nicht das letzte Schwimmbad gewesen sein, das auf dieser Reise zum Duschen genutzt wurde.
Am nächsten Tag kam eine WT9 aus Utscheid, um uns und einige andere Piloten zu schleppen. Das Wetter war vielversprechend und es gab sogar zur Abwechslung mal ein paar Wolken. Gucci und Mimimi waren an der Reihe. Bis nach Pont-sur-Yonne sollte es gehen. Sie kämpften sich tapfer durch den Irrgarten der französischen Sperrgebiete hindurch bis ans Ziel. In der Zwischenzeit waren Aman und Faktor damit beschäftigt, einen Carrefour-Parkplatz mit unserem Anhänger für den täglichen Einkauf zu blockieren. Schließlich trafen auch sie in Pont-sur-Yonne ein. Hier hatte sich bereits ein großes Idaflieg-Camp gebildet. Die DG1000 aus München, die DG1000en aus Aachen und Karlsruhe, alle waren hier hängengeblieben.

Der nächste Morgen bescherte uns solide 42°C und zunächst keine Wolken. Wir hatten eine PA-25 Pawnee zum Schleppen organisieren können. Mimimi und Aman wurden nach unerträglich heißen Stunden des Wartens am Boden aus Pont-sur-Yonne herausgeschleppt. Ziel war Besancon. Auf dem Weg dorthin gab es noch Dijon-Darois, der als Ausweichflugplatz dienen könnte. Nach einem zähen Anfang begannen sich die ersten Wolken zu bilden. Die Basis stieg an und irgendwann wurde es schnell und hoch. Man konnte Aufreihungen entlangfliegen und selbst im Blauen konnte man anhand von Bodenmerkmalen erstaunlich einfach tragende Linien vermuten und tatsächlich auch finden. Das Wetter baute jedoch zum späten Nachmittag hin immer weiter ab. Zuletzt fanden wir uns im wolkenlosen Becken vor Besancon. Da bei der KJ das Erreichen von Besancon noch nicht ganz sichergestellt war, stand der Ausweichplatz Dijon zur Debatte. Zweimal sind wir umgedreht und dann doch wieder weitergeflogen. Schließlich landeten wir in Besancon THISE. Angekommen mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass die Schleppmaschine defekt war – eine C42. Vermutlich besser so. Ein Schlepp im Talkessel von Besancon hinter einem solchen Luftsportgebilde bei 37°C hätte sicherlich nicht funktioniert.
Die KJ entschied sich daher für den anderen, größeren Flugplatz in Besancon – LA VEZE. Hier gab es nur ein großes Problem. Nach der Landung wurde uns gesagt, dass der Platz nicht zugelassen sei und wir dürften auch streng genommen nicht auf das Gelände, um es abzurüsten. Wir beschlossen, das Flugzeug über Nacht dort stehenzulassen und brachten die NT zu unserem nächsten Startplatz: Mulhouse-Habsheim bei Basel. Wir rüsteten nach Ankunft direkt vor der Halle im Licht der Autoscheinwerfer das Flugzeug auf und legten uns schlafen.

Als wir am nächsten Morgen aufwachten, bemerkten wir, dass wir mitten auf einem Rollweg genächtigt haben. Wir räumten schnell zusammen und fuhren nach Besancon zurück, um die KJ zu holen. Diese konnten wir auf dem Gelände der dort ansässigen Fallschirmspringer abrüsten und dann nach Habsheim bringen. Auch hier war es unerträglich heiß. Hinter einer sehr schwachen Morane ging es für Gucci und Aman mit maximal 0.3 m/s auf 600m AGL. Leider waren wir dann doch etwas früh dran, weshalb wir nur Thermikstärken um 0 m/s herum zur Verfügung hatten. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass dies der wohl teuerste Schlepp unserer Fliegerkarrieren bis dato war, ging es nach einigen Versuchen direkt nach 30min auf den Acker.

Ein gerade frisch abgeerntetes Weizenfeld, auf dem noch ein Traktor und ein Mähdrescher unterwegs waren. Schnell kam die Landwirtin zu uns und erkundigte sich nach uns, fragte interessiert, was denn passiert sei und bot uns schattigen Unterschlupf in deren Scheune. Während wir dort saßen und warteten, tauchte plötzlich ein rotes Fahrzeug der örtlichen Feuerwehr auf. Aman, ich, ging hinaus und versuchte, dem Einsatzleiter zu erklären, dass wir die Piloten seien und alles in Ordnung sei. So wirklich glauben wollte er mir das aber irgendwie nicht. Als ich mit ihm um die Ecke lief, um uns das Flugzeug anzuschauen, bemerkte ich den gesamten Löschzug mit gut 40 Feuerwehrleuten am Feldrand. Ein Anwohner hatte einen Flugzeugabsturz gemeldet, welcher aufgrund der langanhaltenden Trockenheit direkt alle Alarmglocken läuten ließ. Nach einer medizinischen Untersuchung durch den Rettungsdienst und einem Alkohol- sowie Drogentest durch die Gendarmerie kam sogar noch die Flughafenpolizei aus Basel zum Feld, um den Fall ebenfalls aufzunehmen.

Nach gut 3 Stunden durften wir endlich das Flugzeug abrüsten und uns auf den Weg nach Bartholomä machen, wo die KJ bereits gelandet war. Da hier aufgrund des Wetters der nächsten Tage und dem näher rückenden Ende der Euroglide ein Weiterkommen nach Tschechien nahezu undenkbar war, entschieden wir uns, bei unseren Freunden der Akaflieg Stuttgart ein paar Tage auf der Alb zu verbringen und hier zu fliegen.

Nach drei Nächten flogen Mimimi und Gucci dann nach Sinsheim. Der Plan war es, über Sinsheim und Lachen-Speyerdorf den Heimweg anzutreten, allerdings wollten wir noch das gute Wetter im Süden mitnehmen. Aus Sinsheim heraus flogen Aman und Mimimi eine gute Strecke um den Pfälzer Wald herum und einmal durch die ersten Züge des Odenwalds. Der Pfälzerwald zog wie immer sehr gut und bescherte uns mit hoher Basis und guten Bärten. Der Odenwald hingegen enttäuschte etwas, aber dennoch kamen wir sicher nach Lachen-Speyerdorf. Die KJ landete ebenfalls hier. Nach einem Ausflug nach Heidelberg ging es dann am nächsten Morgen für Aman und Gucci durch den Schwarzwald auf die Alb und zurück. Der Hinweg gestaltete sich interessant, aber gut, der Rückweg hingegen wurde zum Schluss bei abbauendem Wetter zunehmend schwieriger. Nach fast 500km landeten beide Flugzeuge wieder in Lachen.

Für den Folgetag stand der Rückflug nach Aachen an. Wir deponierten nach der Landung das Flugzeug in der Halle und machten uns auf den Weg nach Venlo für den Abschlussabend.
Zusammenfassend war dieser Urlaub ein voller Erfolg. Zwar sind wir nicht herumgekommen und schnell waren wir auch nicht. Dennoch haben wir viel gelernt, sehr viel gesehen und hatten jede Menge Spaß. Für uns wird es sicherlich nicht der letzte Euroglide!
