Veröffentlicht am 26.06.2026 von Benjamin „Pflaume“ Bürger

Ende Mai ging es für die FVA wieder zurück zu den Ursprüngen des Segelflugs auf die Wasserkuppe in der Rhön. Gemeinsam mit weiteren Pilotinnen und Piloten aus der idaflieg und dem LVA verbrachten wir ein Wochenende an jenem Ort, an dem die FVA vor über 100 Jahren ihre ersten Flüge durchführte.
Am Freitagabend trafen die verschiedenen Akafliegs nacheinander in Gersfeld unterhalb der Wasserkuppe ein. In der örtlichen Pizzeria wurden beim gemeinsamen Abendessen viele Geschichten ausgetauscht und man stimmte sich auf den nächsten Tag ein. Zu diesem Zeitpunkt war noch völlig unklar, ob wir am Wochenende überhaupt in die Luft kommen würden, da für die Region großflächige Gewitter angesagt waren.
Davon ließen wir uns aber nicht die Stimmung verderben. Ungetrübt fuhren wir am Samstag auf die Wasserkuppe, wo uns Fluglehrerin Elisabeth „Lisa“ Landsteiner eine Einweisung in den SG 38 und den Gummiseilstart gab. Unser Flugzeug für die nächsten zwei Tage würde die D-7055 sein. 115 kg, Gleitzahl unter 10 und als Pilotensitz nicht viel mehr als ein Holzbrett. Die D-7055 ist dabei fast schon eine kleine Prominenz unter den SG 38 und wurde schon für Filmaufnahmen vor den Pyramiden von Gizeh in Ägypten geflogen.
Nachdem der Start aufgebaut war und Lisa uns mit militärischer Präzision die Laufwege am Hang erklärt hatte, konnten die ersten Starts gemacht werden. Wer Gummiseilstarts erleben möchte, sollte vor allem eines mögen: Laufen. Das Gummiseil wird Y-förmig vor dem Schulgleiter ausgelegt und an der Schnauze des Flugzeugs eingehängt. Eine Haltemannschaft sichert den Flieger am Heck, während die „Gummihunde“ das Gummiseil ausziehen und Straffen. Auf das Kommando „Laufen!“ hin, beginnen diese zu Rennen und bei „Los!“ gibt die Haltemannschaft frei und der Flug beginnt. Die ersten Gummiseilstarts der Geschichte machte übrigens ein Flugverein aus Aachen: Die FVA.

Entgegen aller Vorhersagen zeigte sich das Wetter gutmütig und wir konnten den ganzen Tag über Fliegen. Dabei blieb es natürlich nicht aus, dass kleinere Missgeschicke passierten, die am Abend traditionell mit Bier zu begleichen waren. So verlor beispielsweise Benjamin „Pflaume“ Bürger während eines Fluges seinen Hut, andere stiegen nach der Landung irrtümlich auf der falschen Seite vom Flugzeug ab.
Immer wieder blieben Spaziergänger und Ausflügler am Hang stehen, um den Flugbetrieb zu beobachten. Einige wurden kurzerhand als zusätzliche Gummihunde rekrutiert. Neben dem SG 38 zog noch ein weiteres Fahrzeug die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich: ein Deutz-Traktor aus den 1950er-Jahren, der zum Zurückholen des Flugzeugs eingesetzt wurde. Schnell zeigte sich, wer nicht nur fliegerisches Talent besaß.
Nach einem erfolgreichen Flugtag genossen wir die Abendsonne bei einem Spaziergang zum Fliegerdenkmal oder einer Fahrt auf der Sommerrodelbahn. Anschließend ließen wir den Tag beim Abendessen in der „Krone Post“ ausklingen – jenem Gasthaus, in dem 1950 der Deutsche Aero Club gegründet wurde.
Am nächsten Morgen meinte es das Wetter leider nicht so gut mit uns, sodass wir am Vormittag bei starkem Regen nicht aufs Flugzeug steigen konnten. Glücklicherweise hatte idaflieg-Präsident Huy Pham bereits Alternativprogramm organisiert: Wir genossen eine exklusive Führung durch die Hallen des Deutschen Segelflugmuseums und erhielten von Peter Ocker, dem Präsidenten des Kuratoriums, spannende Einblicke in die Geschichte der Fliegerei mit einem besonderen Fokus auf die Arbeit von Studierenden. Auch die Leistungen der FVA wurden genannt: Im Museum sind ein Nachbau der FVA 2 „Blaue Maus“ und eine echte FVA 10b ausgestellt.
Ab Mittag hatte sich die Wetterlage verbessert und es hieß wieder „Ausziehen! Laufen! Los!“. Durch den schwächeren Wind wurden die Flüge länger. Den längsten Flug des Wochenendes absolvierte Sławomir „Sławo“ Kulozik bei seinem zweiten Start. Stolze 36 Sekunden sammelte er. Aufmerksamen Beobachtern fiel allerdings auf, dass diese Zeit möglicherweise nicht ausschließlich in der Luft verbracht wurde. Nach dem Aufsetzen wurden die Tragflächen nämlich noch bemerkenswert lange waagerecht gehalten, was sich durchaus positiv auf die Stoppuhr ausgewirkt haben könnte.
Insgesamt wurden am Wochenende 44 Gummiseilstarts mit reiner Muskelkraft durchgeführt. Ganze 13 Minuten Flugzeit wurden gesammelt, durchschnittlich 18 Sekunden pro Flug. Für die FVA war es ein schönes Wochenende an dem Ort, an dem alles begann. Für manche die ersten Starts auf dem SG 38, andere schlossen ihre Gummiseilstartberechtigung ab. Eines steht jedoch schon jetzt fest: Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, wenn es erneut heißt:
„Ausziehen! Laufen! Los!“
