Wintertreffen 2026 in Berlin

Veröffentlicht am 21.01.2026 von Niklas „DB“ Krampe

Die Anreise zum Wintertreffen 2026 begann mit hoher Motivation. Rund 630 km Fahrstrecke lagen vor uns, der Beginn der Vorträge war von den gastgebenden Berlinern auf 14 Uhr angesetzt worden, und wir wollten pünktlich sein. Rechnet man Sicherheitspuffer und das Abliefern unseres Gepäcks beim ATV, bei der wir übernachten würden, hinzu, ergab sich eine Abfahrtszeit von 5 Uhr morgens in Aachen.

Als wir uns alle noch etwas müde zusammengefunden hatten, begannen bereits die Spekulationen, wann - und ob - wir überhaupt ankommen würden. Als Flieger ist man schließlich gut über das Wetter informiert, und für Norddeutschland waren Schneefälle sowie Wind angekündigt. Eine Kombination, die man dort eher selten erlebt. Einige Boulevardmedien sprachen gar von Lebensgefahr beim Verlassen des Hauses. Das war zwar absehbar übertrieben, doch klar war auch: Das würde kein Zuckerschlecken werden.

Ziemlich genau an der niedersächsischen Landesgrenze schlug das Wetter dann in Schnee um. Bald konnten wir die in Auf- und Abfahrten steckengebliebenen LKWs nicht mehr an zwei Händen abzählen. Der Verkehr auf der Autobahn selbst floss jedoch gemächlich weiter, wenn auch selten auf mehr als zwei der drei Spuren - und manchmal nicht einmal das. Unser Glück: Bis Berlin mussten wir die Autobahn nicht mehr verlassen.

Die Fahrt zog sich. Die Fahrenden hatten durchweg erhöhte Adrenalinspiegel, doch insgesamt kamen wir gut durch und die Stimmung blieb locker, gewürzt mit gelegentlichem Galgenhumor. Um kurz nach 15 Uhr erreichten wir schließlich den Veranstaltungsort. Vielen anderen war es nicht besser ergangen als uns. Zwar wurde bereits am Freitagnachmittag die Marke von 100 Akafliegern erreicht, doch bis Samstag trudelten in regelmäßigen Abständen weitere Teilnehmende ein. Ein paar Vorträge mussten hybrid gehalten oder kurzfristig getauscht werden.

Berlin selbst bekam an diesem Wochenende zwar keinen Neuschnee ab, lag jedoch unter einer geschlossenen Eisschicht. Es dürfte den hervorragenden motorischen Fähigkeiten der Anwesenden zuzuschreiben sein, dass sich niemand relevante Blessuren zuzog.

Inhaltlich boten die Vorträge eine ganze Reihe spannender Themenfelder. Die Updates aus dem Vereinsgeschehen umfassten gleich zwei komplette Dacherneuerungen: Sowohl in Hannover als auch in Berlin wurden die Dächer von Werkstätten beziehungsweise Flugplatzhallen in beeindruckend kurzen Zeiträumen erneuert.

Besonders gespannt erwartet wurden die Projektvorträge der Akaflieg Karlsruhe. Dort konnte nicht nur ein fertiger Prototyp vermeldet werden - die AK-X, deren Rollout am 23.01.2026 stattfinden wird -, sondern auch ein erster detaillierter Blick auf die AK-11. Dieser 20m-Doppelsitzer soll durch eine neuartige, klappbare Flügelvorderkante besonders günstige Eigenschaften für den Leistungssegelflug erreichen. Auch viele andere Vereine berichteten von guten Projektfortschritten und ich bin gespannt, wann wir dort die Prototypen bewundern dürfen.

Wie in jedem Jahr war auch das Zachern ein besonders präsentes Thema. Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit der Auswertung von Flugdaten: Wie können wir das Flugtestprogramm besser an die Zulassungsvorschriften anlehnen? Sollten wir grundsätzlicher darüber nachdenken, wie sich Tests ins 21. Jahrhundert überführen lassen, um schnelleres Feedback für die Ausbildung von Testpiloten und bessere Datengrundlagen zu erhalten?

Technischen Input zur Umsetzung lieferten weitere Vorträge, unter anderem zur drahtlosen Übertragung von Flugdaten für Live-Auswertungen. Ich bin sehr gespannt, wie diese grundsätzlichen Fragestellungen und die heutigen technischen Möglichkeiten in den kommenden Jahren zusammenfinden werden - vielleicht sogar in Form eines „Zachern 2.0“, von dem wir alle profitieren. Es scheint nicht unwahrscheinlich zu sein, dass uns dieses Thema auch auf zukünftigen Wintertreffen wieder begegnen wird.

Ebenfalls angeschnitten wurde die Möglichkeit, durch die kontinuierliche Datenerfassung moderner E-Varios im normalen Flugbetrieb einen enormen Datenschatz zu erheben. Beispielhaft genannt wurde die Auswertung von Startabbrüchen in der Flugausbildung. Direktes, datenbasiertes Feedback zur Entscheidungsfindung könnte hier die Ausbildungsqualität deutlich verbessern.

So viel Input macht jedoch auch hungrig und der Kopf braucht zwischendurch eine Pause. Die Berliner stellten eine hervorragende Organisation auf die Beine, die nicht nur mit den widrigen Witterungsbedingungen souverän umging, sondern auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm bot: gemeinsamer Restaurantbesuch, Catering und natürlich das Bergfest am Samstagabend. Für alle, die der Idaflieg-Hauptversammlung nicht beiwohnen konnten, weil sie keine aktiven Mitglieder einer Akaflieg waren, wurde ein Alternativprogramm organisiert. Neben Flugsimulatoren konnte man sich auch an den Tücken eines Zugstellwerksbetriebs in einem Realsimulator mit Modelleisenbahn versuchen. Wer dort eindrucksvolle Verspätungen produzierte, wird der Deutschen Bahn künftig vielleicht etwas milder begegnen.

Wir haben das Wintertreffen als äußerst gelungen empfunden. Es bot viel Raum für Austausch und gemeinsames Erleben. Das Wintertreffen ist immer eine Reise wert - wegen der Vorträge, aber vor allem wegen der Menschen, die dahinterstehen und unsere einzigartige Gemeinschaft ermöglichen.

2027 wird das Wintertreffen in München stattfinden und ich kann es jetzt schon kaum erwarten.